Montag, 29. August 2011

Das soll Stolz sein?

Nein, da war nichts von Stolz oder Würde, als ich über der Kloschüssel hing. Kein Funken Hoffnung als ich mich mit aller Kraft an dessen Rand klammerte sodass meine Fingerknöchel weiß hervortraten.
Weißt du wie es ist das Essen noch einmal zu sehen? Ich habe die Musik aufgedreht damit niemand mein weinen hört, weil es so wehtut.
Da war nichts mehr von der Begierde mit der ich alles in mich hineingestopft habe. Ich habe den Kühlschrank geöffnet und mir nichts dabei gedacht, wie ich Löffel um Löffel in meinen Mund gesteckt habe. Es schmeckte mir nicht einmal, nein ich fand es widerlich und trotzdem habe ich es gefressen, als wäre ich am Verhungern. Löffel um Löffel. Ich habe gespürt wie mein Bauch sich wölbte und bin wieder zum Kühlschrank gegangen. Eine neue Portion Fett um die Leere in mir zu füllen. Eine neue Portion Fett um das fehlende Stück 'etwas' zu ersetzen. Und dann ist mir klargeworden, dass ich das Essen nicht würde behalten können.
Ich habe das Gesicht angewidert verzogen, wohlwissend das ich danach kotzen musste und habe weiter gegessen. Löffel um Löffel.
Als ich fertig war, mein Bauch rund wie ein Luftballon, habe ich mir einen Schluck Olivenöl geholt, ihn geschluckt und mich mit letzter Kraft über das Porzellan gebeugt.
Nein, wenn man kotz, dann ist da nichts an Stolz. Bloß ein kleines, unsicheres, gebrochenes Mädchen.
Das hat nichts mit der Würde oder der Schönheit die man erlangen möchte zu tun. Im Moment in dem man sich entscheidet es zu tun, verschwindet die Sicherheit. In diesem Moment wird einem klar, dass man versagt. Immer und immer wieder. In diesem Moment in dem man halb verdaute Essensreste im trüben Wasser sieht, in dem sich auch sein eigenes Gesicht spiegelt, hasst man sich für diese gedankenlose Völlerrei. Einem wird klar, das man nur so wenig wert ist, wie der Dreck vor seiner eigenen Nase.

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